Hinterlüftete Fassade oder Wärmedämmverbund?

Geschrieben von | 08. April 2016 | Fassadenbau | Keine Kommentare
Dämmsysteme für Fassaden

Die Fassade ist das Gesicht des Hauses. Jeder kann sie sehen, sie ist verantwortlich für den ersten Eindruck, sie repräsentiert. Doch die Fassade hat noch eine zweite, mindestens ebenso wichtige Funktion: Dämmung. Um den Wärmeverlust eines Hauses möglichst gering zu halten, gibt es zwei konkurrierende Dämmungs-Systeme: Das Wärmedämmverbundsystem und die vorghängte hinterlüftete Fassade. Aber welches der beiden ist besser?

Das Wärmedämmverbundsystem (WDVS)

Zunächst zum Aufbau: Das Wärmedämmverbundsystem (kurz WDV oder WDVS) besteht aus drei unmittelbar miteinander verbundenen Schichten, die an die Außenwand des Hauses angebracht werden. Zur Befestigung gibt es drei Möglichkeiten: Kleben, Dübeln (oder beides) oder mittels vorher montiertem Schienensystem. (wobei das Schienensystem nicht mehr zeitgemäß ist) Zunächst wird der Dämmstoff befestigt. Anschließend wird eine Putzträgerschicht aufgetragen, bevor schließlich der Oberputz oder eine ähnliche Oberflächenschicht folgen. Am Ende steht also eine Art mehrlagige Außenhaut am Gemäuer.

Vorgehängte hinterlüftete Fassade (VHF)

Auch bei einer vorgehängten hinterlüfteten Fassade (kurz VHF) wird der Dämmstoff direkt an der Außenwand des Gebäudes angebracht. Im Unterschied zum WDVS folgt nun jedoch zwischen Dämmschicht und Außenhaut eine Luftschicht. Dafür wird ein Trägersystem am Untergrund montiert, z.B. aus Schienen oder punktuellen Ankern und dazwischen der Dämmstoff angebracht.

An diesem Trägersystem wird nun die äußere Schicht befestigt, die vor Schlagregen schützt und der Fassade ihr Aussehen verleiht. Hier bekommt das Haus also eine Art Dämmhaut mit vorgespanntem Regenschirm.

Vor- und Nachteile

Und welches dieser Fassadensysteme ist nun zu bevorzugen? Das kommt ganz auf die Ansprüche an. Die VHF hat einen ganz entscheidenden Vorteil: Sie eröffnet enorme gestalterische Möglichkeiten. Die Fassadenbekleidung kann aus beinahe jedem erdenklichen Material bestehen – Holz, Naturstein, Glas, Keramik, Metallblech und und und. Außerdem bietet sie größeren Schutz vor eindringender Feuchtigkeit, da Dämmung und Gemäuer durch den Luftstrom schneller trocknen als beim kompakten WDVS.

Dem gegenüber steht ein ebenso großer Nachteil einer VHF: Sie ist erheblich teurer. Das Trägersystem und die Außenmaterialien verursachen Mehrkosten, die gut abgewogen sein sollten. Außerdem mögen Insekten den Hohlraum zwischen Fassadenbekleidung und Dämmschicht. Entsprechende Schutzmaßnahmen sollten also mitbedacht werden.

Der große Vorteil eines WDVS ist somit schon geklärt: Es ist günstig und vergleichsweise schnell montiert. Ausgefallene Fassaden sind für Otto Normalverbraucher nicht zwingend vonnöten und die Dämmleistung von WDVS hat sich über die Jahre bewährt. Die Nachteile hier sind die etwas größere Schadensanfälligkeit (Dämmung i.d.R. ist nur durch Putz geschützt) und ein spezifisches Altbauproblem: Da das Dämmsystem einfach an die Außenwand angebracht wird, werden alte Gemäuer einfach überdeckt, was nicht Jedem gefallen wird.

Bei der Wahl des Fassaden-Dämmsystems sind folglich stets drei Dinge abzuwägen: Robustheit, Kosten und gestalterischer Anspruch.

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